R723 – Mehr Nachhaltigkeit für die Kältetechnik


Pro May 5, 2020

Zusammenfassung

R723 ist ein azeotropes natürliches Kältemittelgemisch, das zu 60 % aus Ammoniak (R717) und zu 40 % aus Dimethylether (RE170) besteht. Es weist ein Ozonabbaupotenzial (ODP) von Null und ein sehr niedriges Treibhauspotenzial (GWP) von 8 auf und ermöglicht gleichzeitig einen effizienten Betrieb in ausgewählten industriellen und gewerblichen Kälteanwendungen. Da R723 Ammoniak enthält, müssen bei seiner Handhabung dieselben strengen Sicherheitsvorkehrungen wie bei Systemen auf Ammoniakbasis beachtet werden, einschließlich einer fachgerechten Auslegung, Installation, Inbetriebnahme und Wartung durch qualifiziertes Fachpersonal.

Was genau ist R723?

R723 wurde im Rahmen mehrjähriger Forschungsarbeiten entwickelt. Seine Bezeichnung spiegelt seine Einordnung in die 700er-Reihe anorganischer und natürlicher Kältemittel sowie seine durchschnittliche Molekülmasse von etwa 23 g/mol wider. Das Gemisch ist ein farbloses, verflüssigtes Gas mit stechendem Geruch. Massenanteilsmäßig besteht es zu 60 % aus Ammoniak (R717) und zu 40 % aus Dimethylether (RE170). R723 verhält sich azeotrop, was bedeutet, dass es während der Verdampfung und Kondensation zu keiner nennenswerten Verschiebung der Zusammensetzung kommt. Daher kann es in vielerlei Hinsicht wie ein einkomponentiges Kältemittel gehandhabt werden, wobei jedoch die Auslegung und der Betrieb der Anlage stets den Ammoniakgehalt des Gemisches und die geltenden Sicherheitsanforderungen berücksichtigen müssen.

Warum ist R723 umweltfreundlich?

R723 wird geschätzt, weil es fluorfrei ist, einen ODP-Wert von Null aufweist und ein sehr niedriges GWP von 8 hat. Darüber hinaus erzielt R723 im direkten Vergleich mit Ammoniak eine COP-Verbesserung von 7 %. Ammoniak hat sich in der industriellen Kältetechnik bewährt und kann bei korrekter Anwendung eine effiziente, kohlenstoffarme Kühlung unterstützen. Die Zugabe von Dimethylether verbessert im Vergleich zu reinem Ammoniak ausgewählte Betriebseigenschaften. Veröffentlichte technische Referenzen weisen darauf hin, dass R723 eine höhere volumetrische Kälteleistung als Ammoniak bieten und die Auslasstemperatur senken kann, was bei geeigneten Anwendungen eine kompakte und effiziente Systemauslegung unterstützen kann. Der ökologische Nutzen sollte jedoch auf Systemebene bewertet werden: Energieeffizienz, Kältemittelfüllmenge, Leckagevermeidung, Sicherheitsauslegung, Wartungsqualität und nachgewiesene Produktleistung tragen alle zur Nachhaltigkeit in der Praxis bei.

Können Ammoniak-Kälteanlagen mit R723 betrieben werden?

Grundsätzlich können einige Ammoniak-Kälteanlagen für den Betrieb mit R723 geeignet sein, es sollte jedoch nicht als universeller Ersatz ohne Anpassungen betrachtet werden. Vor einer Umrüstung müssen Kompatibilität, Eignung des Kompressors, Kältemittelfüllmenge, Ölmanagement, Steuerungen, Sicherheitseinrichtungen, gesetzliche Anforderungen und der Betriebsbereich geprüft werden. Da R723 Ammoniak enthält, gelten die entsprechenden Sicherheitsanforderungen für Ammoniak-Anlagen, einschließlich einer angemessenen Risikobewertung, Belüftung, Leckageerkennung, Druckschutz sowie einer fachgerechten Installation und Wartung. Jede Nachrüstung oder Neukonstruktion sollte daher vor der Umsetzung vom Anlagenplaner und den Komponentenherstellern validiert werden.

Ist R723 wirtschaftlich?

R723 kann einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen, sofern dies technisch sinnvoll ist, insbesondere wenn hohe Effizienz, niedrige Kältemittelkosten und geringere Auswirkungen von Leckagen über den gesamten Systemlebenszyklus hinweg berücksichtigt werden. Im Vergleich zu vielen synthetischen Kältemitteln bieten natürliche Kältemittel und Gemische mit niedrigem GWP möglicherweise auch eine bessere langfristige Widerstandsfähigkeit gegenüber regulatorischen Beschränkungen für fluorierte Gase mit hohem GWP. Die Wirtschaftlichkeit hängt jedoch von der gesamten Anlage ab: Anlagenauslegung, Anwendungstemperatur, Anlagengröße, Sicherheitsmaßnahmen, Wartungsanforderungen, Energiepreise und nachgewiesene Produktleistung. Für Entscheidungsträger ist es am sinnvollsten, die Lebenszykluskosten, den Energieverbrauch und die Sicherheitsanforderungen zu vergleichen.

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Warum ist eine nachgewiesene Leistung wichtig?

Die Wahl eines Kältemittels mit niedrigem GWP ist nur ein Teil auf dem Weg zu einer nachhaltigen Kältetechnik. Der tatsächliche Energieverbrauch hängt von der Leistung des gesamten Systems und seiner Komponenten ab. Eine unabhängige Zertifizierung durch Dritte hilft Planern, Installateuren und Endnutzern, die angegebenen Leistungsdaten mit größerer Sicherheit zu vergleichen, wodurch das Risiko von leistungsschwachen Anlagen, höherem Energieverbrauch und vermeidbaren Emissionen verringert wird. Eurovent Certification unterstützt dies durch die Überprüfung der Produktleistung im Rahmen von Zertifizierungsprogrammen, die auf anerkannten Regeln, unabhängigen Prüfungen, Audits und einer kontinuierlichen Überwachung basieren.

FAQ

Ist R723 ein natürliches Kältemittel?

R723 wird allgemein als natürliches, nicht fluoriertes Kältemittelgemisch angesehen, da es Ammoniak (R717) und Dimethylether (RE170) kombiniert. Es hat im Vergleich zu vielen herkömmlichen fluorierten Kältemitteln ein Ozonabbaupotenzial von Null und ein sehr geringes Treibhauspotenzial.

Kann R723 Ammoniak in bestehenden Kälteanlagen ersetzen?

R723 kann für einige Ammoniak-basierte Anlagen geeignet sein, sollte jedoch erst nach einer umfassenden technischen Bewertung eingesetzt werden. Die Kompatibilität der Komponenten, die Leistung des Kompressors, das Ölmanagement, die Sicherheitsanforderungen und die Betriebsbedingungen der Anlage müssen von qualifizierten Fachleuten und den jeweiligen Herstellern bestätigt werden.

Warum ist R723 für nachhaltige Kältetechnik relevant?

R723 verbindet geringe direkte Klimaauswirkungen mit nützlichen thermodynamischen Eigenschaften für ausgewählte Anwendungen. Bei sicherer und effizienter Anwendung kann es zu geringeren Lebenszyklusemissionen beitragen, insbesondere wenn eine zuverlässige Komponentenleistung und eine gute Anlagenauslegung nachgewiesen sind.

Welche „Eurovent Certified Performance“-Programme lassen R723 zu?

Im Rahmen von „Eurovent Certified Performance“ kann R723 für Produkte relevant sein, die im Rahmen des Programms „Chillers and Heat Pumps (LCP-HP)“ zertifiziert sind, sofern das Kältemittel für den vorgesehenen Markt und die jeweilige Anwendung zugelassen ist. Derzeit ist R723 noch nicht weit verbreitet, kann jedoch für Leistungen über 100 kW in Frage kommen. Die Zulassung in anderen Programmen sollte anhand der aktuellen programmspezifischen technischen Zertifizierungsregeln überprüft werden.

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